In der Nati ziehen sie am selben Strick

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Die Derbys zwischen Widnau und Diepoldsau gehören zu den prägendsten Duellen in der jüngsten Faustball Vergangenheit. In der Nationalmannschaft aber kämpfen die Captains der beiden Erzrivalen Seite an Seite für den Erfolg – als nächstes an der Heim-WM in Winterthur.

malik mueller 1Diepoldsau und Widnau liegen praktisch nebeneinander. Nur gerade drei Kilometer Luftlinie trennt die Sportplätze der beiden Dörfer. Auf der Schweizer Landkarte sind beides kleine Orte ganz im Osten des Landes. In der Schweizer Faustballlandschaft aber sind die beiden Dörfer dagegen zwei richtige Grossstädte. Widnau und Diepoldsau gehören seit Jahren zur absoluten Spitze im Faustballsport. Und das nicht nur national, sondern auch international.

Wenn zwei Vereine geografisch so nahe beieinander liegen und sich zudem auch noch regelmässig auf höchster Ebene duellieren, ist eine Rivalität vorprogrammiert. Die Direktduelle bekommen so eine ganz besondere Bedeutung. Die Derbys wollen beide Teams um jeden Preis gewinnen.

Bei Widnau angefangen

Wenn Widnau und Diepoldsau gegeneinander antreten, kommt es immer auch zum Duell zwischen Mario Kohler (Widnau) und Malik Müller (Diepoldsau). Beide sind Captains ihrer Mannschaften und beide spielen in der Abwehr. Doch das sind nicht die einzigen Parallelen. Beide gehören in der Schweizer Nationalmannschaft zu den Leistungsträgern und haben auf internationalem Parkett gemeinsam grosse Erfolge gefeiert. Und beide haben in Widnau Faustballspielen gelernt.

Als Malik Müller im Alter von acht Jahren seine ersten Gehversuche im Faustballsport unternahm –obwohl er eigentlich lieber Beachvolleyball spielen wollte –, gehörte Mario Kohler bereits zum Kader des Widnauer NLA-Teams. «Ich kann mich noch daran erinnern, dass du hin und wieder meine Trainings geleitet hast», so Malik Müller. «Stimmt, damals war immer ein Spieler aus der ersten Mannschaft im Jugendtraining als Hilfsleiter mit dabei», erinnert sich auch Mario Kohler.

Wechsel zum Erzrivalen

Später spielten die beiden im selben Team. Eineinhalb Saisons liefen sie gemeinsam in der Nationalliga A auf. Dann verliess Malik Müller den Verein. Und wechselte ausgerechnet zu Diepoldsau. «In Widnau gab es einen Umbruch im Team und ich hätte plötzlich im Angriff spielen sollen. Ich sah meine Stärken jedoch in der Abwehr und bei Diepoldsau konnte ich auf meiner Wunschposition spielen», so Müller, der 2012 den Verein wechselte.

Ein Wechsel zum Erzrivalen – darf man das? «Für uns Spieler ist das längst kein Problem mehr. Es gibt schliesslich immer gute Gründe für einen Wechsel. Aber bei den älteren Generationen sorgt ein solcher Wechsel natürlich immer für Gesprächsstoff», so Kohler. «Als ich gewechselt habe, gab es schon ein, zwei ältere Mitglieder im Verein in Widnau, die kurzzeitig nicht mehr mit mir gesprochen haben. Das hat sich mittlerweile wieder beruhigt. Dennoch merkt man, dass die Rivalität zwischen den beiden Vereinen bei den älteren Generationen noch viel präsenter ist als bei uns», blickt Müller zurück.

mario kohler 1

Viele legendäre Duelle

Trotzdem: Die Duelle zwischen Widnau und Diepoldsau sind noch immer speziell. Auch für Mario Kohler und Malik Müller. Ohne lange zu überlegen können sich beide gleich an mehrere legendäre Duelle aus der jüngeren Vergangenheit erinnern. Beispielsweise als Widnau 2013 den Schweizer Meistertitel im Final gegen Diepoldsau gewann, obwohl sie mit 1:3 Sätzen und 4:8 zurück gelegen hatten. Oder als Widnau sich 2018 in einem dramatischen Finalspiel des European Cup über fünf Sätze durchsetzen konnte. Oder als Diepoldsau vor wenigen Wochen das Direktduell in der laufenden Meisterschaft nach einem völlig verrückten Spiel mit dem knappst möglichen Resultat von 15:14 im Entscheidungssatz gewinnen konnte. «Ich glaube, dass der Reiz unserer Derbys darin liegt, dass man nie weiss, wer gewinnt – egal wie aussichtslos das Resultat zwischenzeitlich auch aussehen mag», bringt es Mario Kohler auf den Punkt.

Heim-WM als Highlight

Das nächste grosse Highlight für die beiden ist aber nicht ein Direktduell, sondern die Heim-WM in Winterthur im August. Dann kämpfen die beiden Seite an Seite um den Weltmeistertitel. Für beide ein ganz spezielles Turnier. «Die Heim-WM ist ganz sicher der Höhepunkt meiner Karriere. An der letzten WM war ich der letzte Spieler, der es ins Kader geschafft hat. Jetzt will ich in den wichtigen Spielen auf dem Platz stehen und eine wichtige Rolle einnehmen», sagt Malik Müller.

Und auch für Mario Kohler wird die Heim-WM ein ganz besonderes Turnier. Allerdings noch aus einem anderen Grund. «Es ist möglich, dass es für mich das letzte grosse Turnier mit der Nationalmannschaft sein wird. Definitiv werde ich mich aber erst nach der WM entscheiden», so Kohler. Entsprechend gross ist die Vorfreude. «Man merkt richtig, dass die Leute auf diese WM hinfiebern. Auch solche, die mit Faustball nichts am Hut haben. Das ist eine tolle Sache.»